„Die Fremde“ – Eine Inszenierung als Monolog zu einer Frage unserer Zeit

Datum/Zeit
07.10.2018
19:00
iCal
0

Veranstaltungsort
FZB - Jugendbereich


„Die Fremde“ – Eine Inszenierung als Monolog zu einer Frage unserer Zeit

Der Monolog „Die Fremde“ wurde nach dem Roman von Maria Kuncewiczowa geschrieben (1935) und erzählt eine Geschichte von Róza Zabczynska, die von Identitätssuche, Sehnsucht, Liebe, Frust und Fremdheit handelt. Er gilt als eines der besten literarischen Werke des 20. Jahhrhunderts.

 
Ein wundervolles psychologisches Frauenbildnis.
Die Róża lebt trotz ihrer polnischen Herkunft bis zu Ihrem sechzehnten Geburtstag mit ihrer Familie in Taganrog in Russland. Damit sie trotzdem eine „richtige, patriotische und gründlich-polnische Ausbildung“ bekommen könnte, holt sich die hochexaltierte, polnische Tante das junge Mädchen nach Warschau, wo Róża ihr Studium als Geigerin anfängt.
Ihr russischer Akzent, ihre östliche Mentalität, ihr dunkler Teint sind die Gründe für manche Scherze und lustige Provokationen. Man nennt sie „Jewriejka“ (Jüdin).
Später, schon verheiratet, bekommt Róża wenig Verständnis für ihre musikalischen Ambitionen auch von ihrem Mann Adam. Der Tod eines der drei Kinder sowie Defizite am Identitätsgefühl bringen sie zu großer Verzweiflung.
Die wunderbare, hübsche und begabte Frau wandelt sich mit der Zeit in eine strenge, zänkische, überall provozierende Person.
Ihr Schicksal und die unangenehme, bittere Art treiben sie und ihre Umgebung in Wahnsinn.
Lebenslang hatte sie nach ihrer Identität gesucht. In Russland war sie immer „Polaczka“ (Polin), in Polen „Der russische Samen“. Erst kurz vor ihrem Ende erlebt sie ein wunderbares Ereignis, das ihr Leben verändert. Ein deutscher Kardiologe der Róża´s unregelmäßig pochendes Herz untersucht erweckt in ihr die längst begrabene Liebe. Doktor Gerhardt als einziger hat sie und das arme Herz gleich verstanden.
War „Die Fremde“ nur die fremde als Ausländerin? Oder war es für sie nur eine Ausrede, um ihre nicht erfüllte künstlerische Karriere zu entschuldigen? Was bedeutet für uns HEUTE eine Ausländerin – eine Fremde?
Wir wollen auch die Beziehung Mutter-Tochter genau überprüfen. Kann die unvermeidliche Trennung und Entfernung der beiden ein Trauma oder vielleicht sogar eine Befreiung bedeuten? Was ist der Tod des Kindes für die Mutter? Existiert die wahre Liebe tatsächlich? Ist sie eine Erlösung oder ein Fluch?

Diese und andere Fragen stellen beide, Iwona Jera – die Regisseurin und Joanna Stanecka – die Schauspielerin (Absolventin der Polnischen Film-, TV- und Theater-Akademie in Lodz mit mehrjähriger Erfahrung am Warschauer Rozmaitosci Theater), die teilweise gleiche Erfahrungen wie „Die Fremde“ gesammelt haben, die Fragen werden sie stellen und die unerwarteten Antworten darauf in der Gegenwart finden.
Vielleicht erlangen wir jedoch die Antworten nie?
Vielleicht lässt sich die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart nie bauen…

Vielleicht sind wir und werden wir immer „die Fremde“… sein…

VVK 10 Euro  AK  12 Euro

Gemeinsame Veranstaltung mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und dem FZB-Jugendbereich