Der besondere Film zum Jahreswechsel: „Eins, Zwei, Drei“ von Billy Wilder (1961)

Datum/Zeit
28.12.2018
19:00
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Veranstaltungsort
Kino in der KulturStellmacherei


Lichtspiel und Kulturverein präsentieren :

Der besondere Film zum Jahreswechsel:

„Eins, zwei, drei“

Eins, Zwei, Drei zeigt einen satirischen Blick auf die Verhältnisse zwischen West und Ost vor dem Berliner Mauerbau.

Komödie, USA 1961 (Deutschlandstart 18.12.1961), Regie: Billy Wilder, Darsteller: James Cagney, Horst Buchholz, Ralf Wolter, Liselotte Pulver, 115 Minuten, ab 6.

Während der Dreharbeiten im Sommer 1961 wurde die Mauer in Berlin hochgezogen. Da sie den Film jetzt nicht mehr in Berlin drehen konnten, zog deshalb die gesamte Crew nach München in die Bavaria Film Studios um. Dort bauten sie das Brandenburger Tor in Originalgröße nach. Durch den Bau der Berliner Mauer fiel der Film sowohl in den USA als auch in Deutschland durch. Niemand konnte zur damaligen Zeit über den Ost-Westkonflikt lachen. 1985 wurde der Film in Frankreich und Westdeutschland noch einmal gezeigt. Erst beim zweiten Mal wurde er ein Erfolg und gilt heute als Klassiker.
Wilder entfacht in dieser Komödie ein wahres Feuerwerk von Humor und satirischen Einlagen gen Ost wie gen West, wie man es selten zu sehen bekommt. Die Dialoge schäumen vor Wortwitz und bissigen Bemerkungen gegen die Deutschen diesseits und jenseits des „iron curtain“, aber ebenso gegen die Geschäftstüchtigkeit der Amerikaner, für deren Erfolge jedes Mittel recht zu sein scheint.


Um nur ein paar Beispiele zu zitieren:
Schlemmer: Die Herren Kommunisten sind eingetroffen.
MacNamara: Sollen reinkommen! […]
Peripetchikoff: Also Genossen, was sollen wir jetzt machen? Er hat es, wir wollen es. Sollen wir annehmen seinen erpresserischen kapitalistischen Handel?
Mishkin: Wir abstimmen.
Peripetchikoff: Ich stimme ja.
Mishkin: Ich stimme ja.
Peripetchikoff: Also zwei von drei. Handel in Ordnung!
Borodenko: Genossen, bevor ihr macht Dummheit, ich muss warnen. Ich bin nicht Mitglied von Handelskommission, ich bin Geheimagent mit Auftrag, Euch zu überwachen.
Mishkin: In dem Fall ich stimme nein. Handel ist aus.
Borodenko: Aber ich sage ja!
Peripetchikoff: Wieder zwei von drei. Handel in Ordnung.

Oder:
Otto: Sind denn alle Menschen in der Welt korrupt?
Peripetchikoff: Ich kenne nicht alle Menschen.

Oder:
MacNamara (der allen Deutschen den Nazismus-Vorwurf macht, nicht weil er Antifaschist ist, sondern um sie gefügig zu machen): Na also, unter uns Schlemmer, was haben sie während des Krieges gemacht?
Schlemmer: Ich war in der Untergrund – the underground.
MacNamara: Widerstandskämpfer?
Schlemmer: Nein, nein – Schaffner. In der Untergrund, in der U-Bahn.
MacNamara: Und natürlich waren sie kein Nazi und waren nie für Adolf.
Schlemmer: Welchen Adolf?

Und noch einen:
MacNamara: Ein Teil der östlichen Volkspolizisten war bösartig und unwillig. Dafür waren andere unartig und böswillig.

Doch die Feinheiten des Wilderschen Humors, der die kleinen und großen Schwächen der Deutschen auf beiden Seiten und die Geschäftspraktiken amerikanischer Multis ordentlich auf die Schippe nahm, fiel in der Konfrontation des kalten Krieges wohl niemandem sonderlich auf. Die bundesrepublikanische Presse war teilweise entsetzt, warf Wilder Attacken gegen die gewünschte Wiedervereinigung vor und einiges mehr. Heute kann nichts mehr darüber hinwegtäuschen, dass in „One, Two, Three“ die Flachheit, Überzogenheit und auch Lächerlichkeit der Ideologien und der sich entsprechend verhaltenden Figuren des „cold war“ auf beiden Seiten treffend in Szene gesetzt wurden.

Eintritt  6  €, Karten nur über LichtSpiel e.V. http://www.lichtspiel-schneverdingen.de