KunstRaum: Vernissage „Britische Besatzungszeit in Norddeutschland“

Datum/Zeit
9.11.2019
15:30
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Veranstaltungsort
KunstRaum in der KulturStellmacherei


Vernissage und Lesung : 9.11. 2019, 15.30 Uhr 

Im KunstRaum der Kulturstellmacherei Schneverdingen mit Gespräch bei Tee, Kaffee und englischen Scones. Die Einführung übernimmt die Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens.

Einladung Horstmann-Köpper und Langer WEB

Projekt Bildende Kunst & Literatur: Britische Besatzungszeit in Norddeutschland:

von Dietlind Horstmann-Köpper (Malerei) und Tanja Langer (Roman)

„Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday oder Die Erfindung der Erinnerung“ (mitteldeutscher verlag, 2019) von Tanja Langer und Bildern von Dietlind Horstmann-Köpper zum Roman sowie aus dem Zyklus  „Vie de famille / Familienleben“

Die Zeit der britischen Besatzung (1945-49 ff.) in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ist in der öffentlichen Wahrnehmung wenig belichtet. Erst in den letzten Jahren rückt sie wieder ins Bewusstsein. Die Berliner Schriftstellerin Tanja Langer erzählt als eine der ersten in einem deutschsprachigen Roman von dieser Zeit. Zugleich beleuchtet sie als Reflex der Wirklichkeit den britischen Film dieser Jahre. „Ein großer Roman über eine kleine Frau, die britische Besatzung und das englische Kino“, kündet der Mitteldeutsche Verlag den Spitzentitel 2019 an.

Die Künstlerin Dietlind Horstmann-Köpper aus Schneverdingen, die in ihrem Zyklus „Vie de famille /Familienleben“ bereits Motive der Familiengeschichte, eingebettet in die des Ortes, verarbeitete, widmete nun neue Arbeiten dieser besonderen Zeitspanne der britischen Besatzung. In einer gemeinsamen Ausstellung mit der Präsentation des Romans erinnern die beiden Künstlerinnen an einen Abschnitt der Geschichte, der kaum noch sichtbar und doch sehr prägend war. 

Zum Roman von Tanja Langer

Ich habe meine Großmutter gekannt, aber ich wusste nicht, dass sie es war. Linda, Übersetzerin aus dem Persischen, lässt sich gern von ihren Träumen leiten, und so landet sie eines Tages in Lüneburg: Dort lebte ihre kaum gekannte Großmutter Ida unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, geflohen aus Oberschlesien, verwitwet, mit fünf Kindern. Knapp eineinhalb Meter groß, „arbeitete sie für den Direktor des englischen Kinos“. Dieser Halbsatz entzündet Lindas Phantasie, und schon ist sie mitten in der Zeit der britischen Besatzung, 1945 bis 1949: Ida schrubbt Wäsche für die Tommys, Ida begegnet Mr. Thursday, Ida fängt bei ihm im Astra Cinema an …  und bald wird das englische Kino zum Gegenbild der rauen Wirklichkeit, durch die Ida und ihre kleine Rasselbande sich als „Flüchter“ boxen. Indem Linda aus Sehnsucht nach der Großmutter, die sie nicht hatte, zu deren Erzählerin wird, verändert sie sich selbst – und erzählt noch dazu die Geschichte einer ganzen Epoche.

Der Dialog mit der Künstlerin Dietlind Horstmann-Köpper

Während der Arbeit an diesem Roman, zu dem die Schriftstellerin Tanja Langer intensive Recherchen anstellte, befragte sie auch die Malerin Dietlind Horstmann-Köpper, die in Schneverdingen lebt. Angeregt von diesen Gesprächen begann die Künstlerin, sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen, und es entstand ihr offener Zyklus „Vie de famille / Familienleben“, den sie u.a. in Lyon, Chambéry und Lüneburg zeigte. Dieser führte sie dann durch Tanja Langers Roman in die Schneverdinger Zeit der britischen Besatzung und zu neuen Arbeiten: Der Vater, der damals Polizist war, die Mutter, die mit einem Fremden tanzte …

Figuren des Romans und aus dem Erinnerungsarsenal der Künstlerin begegnen sich in diesen neuen Bildern in einem imaginären Raum, sie überlagern und verändern sich.

Das Resultat ist ein einzigartiger Dialog zwischen bildender Kunst und Literatur.

Anlässlich der jeweiligen Ausstellung von Dietlind Horstmann-Köpper liest Tanja Langer Passagen aus dem Roman vor. Die beiden berichten von der Entstehung ihrer Arbeiten und ihrem Austausch. Tanja Langer bietet auf Wunsch ihren Schreib-Workshop „Erinnern, erfinden, erzählen“ mit den Magic Memory Boxes an.

Dietlind Horstmann-Köpper

wurde 1947 in Schneverdingen geboren. Sie studierte Malerei u.a. in Hamburg, unterrichtete und stellte an vielen Orten in Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland, Baltikum und Polen mit  Auszeichnung auf der Biennale in Gdingen aus; zuletzt beim Projekt „Das Haus der Erinnerung“ in Lüneburg (2018), in Lyon in der Association Tony Tollet (2018) sowie in der Galerie Ruffieux-Bril in Chambéry (2019). Ihr Werk, das Plastik, Malerei und Zeichnung umfasst, untersucht die Wahrnehmung des Körpers auf der sinnlichen wie seelischen Ebene; sie untersucht ihre Wirklichkeiten, ob von Menschen oder Tieren, ihre Verletzlichkeit wie ihre Vitalität. Die Künstlerin kuratiert den Kunstraum in der Kulturstellmacherei Schneverdingen. Außerdem ist sie Mitglied im Bund Bildender Künstler. Sie illustrierte Erzählungen von Wiebke Eden, Miguel Maldonado und Tanja Langer im Bübül Verlag Berlin, darunter „Die Ziege der Auberge du Cèdre“. www.horstmann-koepper.de

Tanja Langer

wurde 1962 in Wiesbaden geboren; sie lebt seit 1986 in Berlin. Sie inszenierte zahlreiche Theaterstücke,  u.a. „Ich bin die Nacht“ über Selma Meerbaum-Eisinger (1992), bekam drei Töchter und publizierte in großen Tageszeitungen. Sie veröffentlichte Erzählungen, Hörspiele und Romane, u.a. „Kleine Geschichte von der Frau, die nicht treu sein konnte“ (dtv, 2006), „Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit – Die letzte Nacht von Henriette Vogel und Heinrich von Kleist“ (dtv 2011), „Der Tag ist hell, ich schreibe dir“ (LangenMüller Verlag 2012; als Hörbuch gelesen von Eva Mattes 2019) und „Der Maler Munch“ (LM, 2013). Sie schreibt für bildende Künstler*innen und ist eine renommierte Textdichterin für Neue Musik, so für die Opern „Kleist“ von Rainer Rubbert (UA 2008, Brandenburg) und „Ovartaci- crazy, queer & loveable“ für zwölf KomponistInnen der Atonale e.V. (Szen. UA Staatsoper Unter den Linden, Berlin 2018). 2016 gründete die sprachbegeisterte Schriftstellerin den Bübül Verlag Berlin; außerdem ist sie Mitglied des P.E.N. Sie gibt Workshops und hält Vorträge zum Thema „Erinnern, erfinden, erzählen“. Ihr aktueller Roman entführt in die Zeit der britischen Besatzung in Lüneburg: „Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday oder Die Erfindung der Erinnerung“ (mdv).

 

„…eine aufregende und avancierte Autorin mit Gespür für politisch-gesellschaftliche Umbrüche, die sie immer auch aus privater Sicht zu spiegeln weiß…“
Volker Heigenmooser, literaturkritik.de    

www.tanjalanger.de